Middy Hut nach Tarn Hut

Tag 95: Middy Hut - Hacket Hut

Am Morgen hatten wir immer noch einen Schwarm von Sandfliegen vor dem Zelt, deswegen entschieden wir uns für Frühstück im Zelt. Dazu mussten die Sachen aber erstmal ins Zelt, was Sandfliegen herein brachte. Nächstes mal besser vorbereiten.

Wir zogen bei blauem Himmel los. Über eine Hängebrücke aus Drahtseilen, max. 1 Person, auf die andere Seite des Flusses und 600 Hm hoch zur Rocks Hut (850 Hm). Ausgeschildert waren dafür 3 Stunden.
Wir schnauften und schwitzten uns den Berg hinauf durch den Wald. Obwohl es noch morgens war, fühlte es sich schon sehr warm an. Wir erreichen Rocks Hut nach ~2h. Eine schöne Hütte im Wald auf einem Höhenzug mit 16 Betten, einer Zeltwiese und zwei Klos mit Wasserspülung - sehr ungewöhnlich für Hütten in der Wildness.
Wir legten eine kurze Müsliriegel-Pause ein und lasen wie üblich das Hüttenbuch, um zu sehen, wann welcher Hiker hier vor uns durchgekommen ist. Sollten wir unser derzeitiges Tempo jeden Tag so durchhalten können, wäre es möglich, den ganzen Abschnitt in sieben statt in zehn Tagen zu laufen. Das lässt hoffen.

Zur nächsten Hütte, Browning Hut (500 Hm), waren es angeblich 4 1/2 Stunden. Da es nicht mehr besonders bergauf ging, waren wir optimistisch, es in 3 Stunden zu schaffen und wollten dort unsere Mittagspause einlegen. Nach 1 1/2 Stunden legten wir eine kurze Verschnaufpause ein. Der Weg stellte sich als härter heraus als erwartet, ging häufig auf und ab oder hatte steile Stellen, die man nur langsam steigen konnte ... und es war heiß. Auf dem Weg begegneten wir zwei Wochenend-Hikern aus dem nahegelegenen Nelson, die uns zuriefen, dass es bald nur noch bergab ginge. Stimmte leider nicht. Nach 3 1/2 h waren wir ziemlich frustriert und legten wieder eine kurze Pause ein, diesmal mit Sonnenblumenkernen, von denen wir etwas zuviel dabei hatten. Eventuell würde es doch schwerer werden als gedacht, den ganzen Abschnitt in sieben Tagen durchzulaufen.

Nach etwas mehr als 4 Stunden - gegen 14 Uhr - erreichten wir die Hütte. Dort saß ein älteres Pärchen im Schatten am Bach. Er erzählte uns, dass er den TA vor 3 Jahren gelaufen sei und seiner Frau nun Abschnitte davon zeigte. Vor der Hütte in der Sonne lag noch eine Frau und sonnte sich - weiter Weg zum Sonnen. Wir bezogen die Hütte und machten uns Banoc. Anschliessend legten wir uns in den Schatten. Einfach mal in Ruhe irgendwo hinlegen war etwas, das wir viel zu selten taten auf dem Trail.

Die restliche Strecke für diesen Tag war als einfach deklariert, was sich zum Glück als wahr herrausstellte. Wir erzählten uns wie so oft von dem jeweiligen Buch, welches wir gerade lasen (Simon: Beyond Redemption / Anja: Anna Karenina) und die Zeit verging wie im Flug. Immer den Bach entlang zur Hacket Hut (280 Hm).

Als wir ankamen, war es immer noch sehr warm. Ein wenig Wind sorgte allerdings dafür, dass sich die Sandfliegen zurückhielten. Unter einer Brücke über einen kleinen Fluss gab es eine super Badestelle, die wir sofort nutzten. Anja tauchte wie meist ganz ein. Mir war das zu kalt, am Bauchnabel war Schluss. Eigentlich hatten wir vor, heute in der Hütte zu schlafen, um den Sandfliegen zu entgehen und uns am nächsten Morgen die Zeit für den Zeltabbau zu sparen, aber es trafen noch 4 andere Hiker ein. Da die Hütte nur 6 Betten hat, wäre sie recht voll gewesen und ich war zu müde, um noch 2-3h andere Menschen auszuhalten. Deswegen bauten wir unser Zelt doch noch auf und stellten das Müsli für den nächsten Morgen griffbereit. Keine 20 Minuten später traf eine Familie mit kleinem Kind ein, die auch in der Hütte übernachten wollten. Es gilt zwar eigentlich "First come, First served", aber in diesem Fall hätten wir vermutlich sowieso die Hütte geräumt. Alles richtig gemacht. 😉

Tag 96: Hacket Hut - Old Man Hut

Verschlafen, verdammt. Man wacht im Zelt dann doch ab und zu mal auf und schläft nach wenigen Minuten wieder ein. Diesmal haben wir beide genau das beim Weckerklingeln gemacht. 10 Beeps sind auch nicht sehr aufdringlich.

Wir kamen trotzdem um 0645 los, mittlerweile unser Standard. Eigentlich sollte es 0600 sein, da wir an diesem Tag 20 km und 2000 Hm machen wollten. Dafür waren 11h angesetzt.

Los ging es mit einer Sektion an einem kleinen Fluss entlang und etliche Male durch ihn hindurch. Wir stiefelten einfach mit unseren Schuhen durch, da Ausziehen zu lange dauerte. Bei gutem Wetter trocknen die Schuhe hier in einem halben Tag und wir hatten beide ein paar trockene Socken im Rucksack.

Von dort wo der Weg den Fluss verließ, stieg er dann ~1000 Hm auf 1200 Hm zur Starveall Hut. Auf dem Weg begegneten wir einem den-Berg-runter-Rennenden mit Minirucksack, einem älteren Herren und zum Schluss 3 Kerlen, die uns freundlich versicherten, es sei nicht mehr weit.
Wir brauchten wieder nur 3h statt wie ausgeschildert 4h, legten eine kurze Pause ein und zogen weiter zur Slaty Hut (1400 Hm), wo wir Mittag machen wollten.

Ab jetzt waren wir an/oberhalb der Baumgrenze unterwegs, was für uns beide immer ein starker Motivationsschub war. Der Wald zuvor hatte sich schon langsam von einem Dschungel-Laubwald mit ein paar Palmen und Lianen zu einem lichten Wald gewandelt. Endlich! Wir hatten das Stapfen durch dämmerige, nasse Wälder satt.
Wir liefen also abwechselnd über Schotterfelder, Hochwiesen oder durch Gebirgswald mit kleinen Bäumen, welche den Eindruck von Birken vermittelten.

Slaty Hut war in einem geschützten Kessel gelegen, direkt über der Baumgrenze mit einem Picknicktisch im Schatten. Mittagspause!

Gestärkt und ausgeruht zogen wir weiter. Meist über oder direkt an der Baumgrenze entlang. Mit einigen Kraxeleinlagen stiegen wir über zwei Erhebungen zum Old Man (1515 Hm) hinauf, der unserem Ziel - der Old Man Hut - seinen Namen gab.

Die Hütte lag etwas abseits vom eigentlichen Track. Der Weg vom Kamm herunter stellte sich als nicht so spaßig heraus. Eine lange halbe Stunde nach einem langen, anstrengenden Tag, auch wenn wir deutlich schneller als die offiziellen Zeiten waren.
Zur Belohnung war die Hütte sehr schön gelegen, auf einer großen Lichtung mit einem See und Blick auf den ersten Berg, den wir morgen besteigen würden.
Von dort oben kamen regelmässig Windböhen herunter und auch einige Wolkenschwaden. Sehr tolle Bergstimmung.

Wir stellten unser Zelt auf, wuschen uns und kochten. Da wir Essen für ~10 Tage dabei hatten und wir gut voran kamen, begann langsam die Planung, welchen Teil man wann extra essen könnte. Ganz trauten wir der Sache aber noch nicht. Es gab noch einen vor uns liegenden Abschnitt, der nur bei gutem Wetter und bei niedrigem Flusspegel machbar war. Zu hohes Wasser hieß warten, wozu man Essen braucht. Also mussten wir uns noch etwas gedulden mit den Extrarationen.

Tag 97: Old Man Hut - Tarn Hut

Mount Rintoul (1730 Hm) sollte bezwungen werden. Die 5 km hinauf und über den Gipfel waren als die schwierigsten dieses Gebiets beschrieben und es waren 4,5 h dafür veranschlagt. Deswegen wollten wir an diesem Tag nur insgesamt 14 km zur Tarn Hut laufen.

Wir zogen morgens von Old Man Hut (1110 Hm) los, erst durch den Wald auf den Kamm und dann über Schotter und Grasnarbe hinauf auf Little Rintoul (1460 Hm). Hier wurden wir von vorbeiziehenden Wolken und stellenweise starken Böhen begrüßt. Kein Problem, da es nicht ausgesetzt war und man häufig im Schutz des Kammes laufen konnte. Wir hatten nie freie Sicht auf alles, aber die meiste Zeit waren wir über den Wolken und konnten die benachbarten Berge, mit den darüber ziehenden Wolken, und die entfernten Gebirge sehen.

Von Little Rintoul ging es wieder hinunter, steil über alpine Wege mit Schotterfeldern und Kraxelstellen auf einen Kamm und hinüber zum Großen. Anja war voll in ihrem Element und rannte geschwind wie eine Bergziege voran. ;)

Von Mount Rintoul ging es über einen Kamm zu einem Schotterfeld, das man gut herunter schlittern konnte. So erreichten wir die Baumgrenze und kurz darauf die Rintoul Hut. Dort legten wir unsere Mittagspause ein.

Auf dem Rest des Weges erklommen wir nur noch einen Pass und liefen sonst meist bergab auf einem Kamm durch den fantastischen Bergwald. Unser Ziel, die Tarn Hut erreichten wir am frühen Nachmittag. Hütte mit Wiese am See. Das rief geradezu nach einem Bad.

Später wurden wir ausnahmsweise mal nicht von Sandfliegen sondern von Hummeln belästigt. Die Brummer sind sehr neugierig, umschwärmen unsere trocknenden Kleider und fliegen regelmäßig in die Hütte, um am Fenster gefangen zu sein, bis man sie raus läßt. Immer noch viel besser als Sandfliegen.

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Karte